Persönliche Eindrücke von der SXSW 2026 in Austin / Texas von Thomas Mandl: Zwischen Robotaxis und Kettensägen
Foto: Alexander Schliephake / Inshorefilms for GERMAN HAUS 2026
"Für mich war es der erste Besuch des in Austin, Texas, stattfindenden Festivals South by Southwest – oder für Eingeweihte kurz: SXSW -, das zu den weltweit führenden Kreativ-Festivals gehört und die Technologie- und Start-Up-Szenen mit Musik-, Film- und Comedyfestivals verbindet. Seit ihrer Gründung im Jahr 1987 hat sie sich zu einem der weltweit wichtigsten Branchentreffen entwickelt, das jedes Jahr Zehntausende Teilnehmende aus aller Welt anzieht.
Die diesjährige Edition SXSW 2026 war selbst für routinierte Besucher besonders, denn erstmals fand das Festival ohne zentrales Kongresszentrum statt, wodurch sich das Programm über die gesamte Stadt verteilte. Gerade Off- Locations wie das German Haus habe ich dabei als großen Gewinn empfunden.
Inhaltlich habe ich die SXSW, trotz der starken Präsenz von KI als sehr facettenreich erlebt. Zwar war sie eines der dominierenden Themen, wurde jedoch vor allem im Kontext von Anwendung und Verantwortung diskutiert. Gleichzeitig war Robotik für mich besonders sichtbar: Die Begegnung von zweibeinigen Robotern auf dem Gehweg oder die Fahrten mit den Robotaxis von Waymo und Uber wurden schnell zur Normalität.
Ich habe mich bewusst treiben lassen: Tagsüber ging es von Panel zu Panel und abends zu Konzerten, dabei ist mir besonders die LA-Nacht mit jungen Rockbands in Erinnerung geblieben. Außerdem habe ich die Macher von Breaking Bad und Better Call Saul auf der Bühne erlebt und war bei der Amerika-Premiere eines deutschen Films.
Ein prägender Moment war das Panel mit Ben Cohen (Ben & Jerry’s), der in einer provokativen Aktion das Geld aus dem Pentagon symbolisch mit einer Kettensäge „befreite“. Zwei Tage später habe ich ihn auf der Straße porträtiert und das Foto erschien anschließend in der FAZ. Politisch blieb die Tech-Szene insgesamt eher zurückhaltend.
Ein klarer Schwerpunkt lag auf der Creator Economy: In mehreren Events berichteten Content Creator von ihren Geschäftsmodellen, während Themen wie Community Building und neue Formen der Zusammenarbeit auch sehr zentral waren. Die Zukunft des Marketings liegt laut dieser Events darin, dass Marken lernen, sich in Communities einzubringen.
Highlights für mich waren zum einen der Demokrat James Talarico, welcher gerade in Texas einen besonderen Wahlkampf für den Senat macht und gegen Korruption und die Theokratie ankämpft, selbst aber sehr gläubig ist. Und zum anderen ein Workshop mit Andreas Addison zum Thema American Dream 2.0 und die dunkle Geschichte und Zukunft der Amerikanischen Städte.
Das größte Highlight für mich und der Grund meiner Reise aufs SXSW war aber unser Panel „One World? Rethinking Cosmopolitism“ gefördert und mit-organisiert von Kreativ München und Munich Business im German Haus. Gemeinsam mit Teddy Cruz, Fonna Forman aus San Diego und Kathrin DiPaola haben wir die Themen Kosmopolitismus und Grenzen diskutiert. Gemeinsamer Nenner war die Idee von Transparenz und Durchlässigkeit: Einheit entsteht nicht durch das Ersetzen bestehender Identitäten, sondern durch ergänzende Ebenen – etwa durch Räume, Architektur oder Symbole (wie die One World Flag), welche Austausch, Gemeinschaft und ein Gefühl globaler Zugehörigkeit fördern. Ich bin sehr dankbar, dass der Panel sehr gut besucht war und wir damit auch einen gezielten politischen Akzent setzen konnten."
Aftermovie zum German House 2026 von der INITIATIVE MUSIK & GERMAN MUSIC EXPORT
Der gut dreieinhalbminütige Film zeigt das German House im Rahmen der SXSW 2026 und lässt die anwesenden Teilnehmer mit ihren persönlichen Eindrücken zu Wort kommen. Einfach anklicken!